Gerrit Strehl, Andy Murray, Tennis auf Reisen in Key Biscayne, Florida (USA)
Beim Orange Bowl in Key Biscayne (USA) durfte Gerrit Strehl das Trainingsprogramm vom ehemaligen Weltranglistenersten Andy Murray beobachten
Foto: Gerrit Strehl

Um die besten Tennis-Talente des Landes auf eine Karriere als Tennis-Profi vorzubereiten, betreibt der Deutsche Tennis Bund (DTB) vier Bundesstützpunkte. An den Standorten Kamen, Stuttgart, Oberhaching und Hannover wird alles dafür getan, um den besten deutschen Jungspielern das Rüstzeug in die Hand zu geben, Tennis als Beruf ausüben zu können. Wir haben mit dem Bundesstützpunkt- und Verbandstrainer Gerrit Strehl gesprochen, der sein Know-how in Hannover an die Jüngsten weitergibt.

Wen bildest du als professioneller Tennistrainer aus? Wer kommt zu dir?

Wir bilden an der TennisBase in Hannover ab der U12 aus. Hier betreuen wir alle Jahrgänge bis zum Übergang in den Erwachsenenbereich – auf nationaler und internationaler Ebene. Ich verantworte hauptsächlich die jüngeren Jahrgänge. Das läuft auch noch dezentral, hier decken wir in einem Team den kompletten Bereich für den Tennisverband Niedersachsen-Bremen (TNB) ab. Alle Kaderspieler des TNB bis zur U13 stehen hier unter Beobachtung und werden über Trainings- und Lehrgangsmaßnahmen sowie Turnierbetreuung unterstützt. Die Topathleten sollten dann möglichst den Sprung zur TennisBase schaffen, damit sie ihren Weg zum professionellen Sport entwickeln.

 

Kommen diejenigen zu dir, die Profis werden wollen?

Ich bin wie gesagt für den jüngeren Bereich, bis U13 zuständig. In diesem Alter hat fast jedes Kind den Wunsch Tennisprofi zu werden. Wir unterstützen die Kids in der Zeit selbstverständlich, sodass sie dieses Ziel im Auge behalten können und eine sehr gute Grundlage haben. Ab einem gewissen Alter übernehmen dann stärker meine Kollegen. Hierfür müssen allerdings auch die Spieler und Eltern viel investieren. Ob es später reicht, weiß man zu Anfang nicht, da spielen viele Aspekte eine Rolle: Disziplin, Nachhaltigkeit und Glück sind einige von vielen wichtigen Faktoren.

Bist du als Tenniscoach viel unterwegs oder bleibst du überwiegend in der Home Base in Hannover?

In den vergangenen Jahren war ich viel unterwegs. Weltweit habe ich Turniere besucht oder auch Trainingscamps begleitet. Das letzte Jahr war krankheitsbedingt nicht sehr erfolgreich für mich und ein großer Einschnitt. Ich brenne jetzt nach der Coronakrise und meiner Verletzung darauf, neu zu starten. Ich hoffe, dass ab September alles überstanden ist.

Gerrit Strehl auf Mallorca
Tennis-Coach Gerrit Strehl stimmt seine Top-Talente in Cala Millor, Mallorca, auf die Saison ein
Foto: Gerrit Strehl

Ist es als Coach wichtig selbst Leistungstennis gespielt zu haben? Wie hoch hast du selbst gespielt?

Wenn du selbst professionell gespielt hast kannst du viel Erfahrung weitergeben. Das ist sicher ein großer Vorteil für die Spieler die zu uns in die TennisBase kommen. Ich selber habe mein Potenzial nicht ganz ausgeschöpft, aber für die Bundesliga hat es gereicht.

Welche Tenniscamps hast du in Deutschland ausprobiert? Kannst du welche empfehlen?

Ausprobiert habe ich selber nichts, sondern viele Tenniscamps oder Saisonvorbereitungen organisiert und geleitet. Im TNB werden viele Maßnahmen angeboten.

Wir planen im Leistungsbereich diverse Lehrgänge, Saisonvorbereitungen und weitere Maßnahmen für unsere Kaderathleten.

Des Weiteren gibt es bei uns im TNB Tenniscamp-Angebote für Nachwuchsspieler. Diese finden an unseren Standorten (Hannover, Bremen und Bad Salzdetfurth) statt. Hier bekommen die Kinder und Jugendliche nicht nur Tennis- und Athletiktraining, sondern werden rund um die Uhr betreut. Beim TennisBase Camp trainieren wir Landestrainer die Nachwuchsspieler und führen gegebenenfalls nach dem Camp Gespräche mit potenziellen Talenten.

Rollstuhltennis Sabine Ellerbrock
Gerrit Strehl betreute bei den Australian Open die Nr.1 der Welt im Rollstuhl-Tennis: Sabine Ellerbrock
Foto: Gerrit Strehl

Welche internationalen Tenniscamps hast du kennengelernt?

Hauptsächlich bin ich zur Saisonvorbereitung auf Mallorca mit unseren Kaderathleten. Aber es gibt auch viele andere Maßnahmen, die ich weltweit beobachten durfte. Zum Beispiel auch die TNB-LK-Camps. Diese habe ich nicht als Trainer mitbegleitet, aber kann ich diese von privater Seite absolut empfehlen. Mit dem neuen Partner Travelling to success ist hier für jeden etwas dabei. Vom Anfänger bis zum Medenspieler kann hier jeder unter professioneller Anleitung von topausgebildeten Trainern vom TNB profitieren. Mit LK-Turnier und einem weitreichenden Rahmenprogramm wird es meines Erachtens nie langweilig.

Orange Bowl - Interview mit Gerrit Strehl
Vorbereitung auf die Orange Bowl 2013
Foto: Gerrit Strehl

Welche Erfahrung hast du gemacht: Wollen passionierte Tennisspieler auch auf Reisen ihrem Sport nachgehen und wählen ihren Urlaubsort danach aus?

Das kann ich nur aus privater Sicht beantworten. Da muss ich aber sagen, dass dies definitiv der Fall ist. Im April eignen sich die südlichen Länder perfekt für eine Saisonvorbereitung auf Asche. Neben Sonne, Strand und Meer gibt es hier optimale Bedingungen, um perfekt vorbereitet in die Außensaison zu starten. Während der Trainingseinheiten kann noch der ein oder andere kleine Tipp von den Trainern mitgenommen werden. Das ist genau richtig für jeden passionierten Tennisspieler.

Schützlinge von Gerrit Strehl beim Orange Bowl - Shaline Pipa
Gerrit Strehls Schützlinge während des Orange Bowle in Key Biscayne
Foto: Gerrit Strehl

Bieten Veranstalter von Tennisreisen in der Regel weitere Programmpunkte an oder beschränkt es sich aufs Tennisspielen?

Bei der Saisonvorbereitung auf Mallorca liegt der Schwerpunkt auf leistungsorientiertem Training. Tägliches Tennis- und Athletiktraining stehen im Vordergrund. Aber natürlich sollen die Kids auch die Möglichkeit bekommen mal an den Strand zu gehen oder wir unternehmen eine gemeinsame Radtour an der Promenade.

Auch bei den LK-Turnier-Tennisreisen vom TNB liegt der Schwerpunkt auf dem Tennisplatz: Tennistraining, Athletiktraining, LK-Turnier. Im Hobbybereich werden weitere kleine Spaßturniere angeboten. Je nach Destination wird aber auch ein attraktives Rahmenprogramm geboten. Das Rahmenprogramm kann Aktivitäten wie beispielsweise Beach-Tennis, einen Strandlauf oder Sightseeing beinhalten sowie eine lokale Weinverkostung oder die beste Tapas-Bar in der Nähe ausfindig zu machen. Diese Tennisreisen werden dann aber eher vom Verband organisiert und durchgeführt.

Jüngsten-TennisBase mit Gerrit Strehl
Die besten Jüngsten in der TennisBase Hannover beim Lehrgang
Foto: Gerrit Strehl

Die Sportwelt steht derzeit still: Wie meistert ihr die Coronakrise und welche Auswirkungen hat das auf deine Arbeit?

Die Coronakrise hat unseren Sport hart getroffen. Alle geplanten Veranstaltungen, Camps und Turniere in den vergangenen drei Monaten wurden auf Eis gelegt. Wir alle im TNB haben versucht die Kaderathleten und TNB-Mitglieder stets auf dem Laufenden zu halten und über die neuesten Entwicklungen zu informieren. Die Trainer haben eine Zeit lang aus dem Home Office arbeiten müssen und während der Krise individuelle Trainingspläne erstellt. Sie haben die Monate zuvor akribisch aufgearbeitet. Sie standen während der Krise im ständigen Kontakt mit den Kaderspielern. Wir sind froh, dass diese schwere Phase langsam vorbei geht und wir uns unserem Sport wieder widmen können.